header3.jpg
Dienstag, 21 April 2026 20:09

1. Männer gg. SSV Stahl Rietschen

Jetzt ist es also geschafft. Und was für ein letztes Heimspiel das für mich war. Kurze Warnung, normalerweise schreibe ich diese Berichte aus der neutralen Sicht eines Schreiberlings, aber heute nicht, heute wird es persönlich. Also hallo, ich bin Jakob, Torhüter, vielleicht hast du mich schon mal in der Halle gesehen (ich bin da öfters). Und ich war tatsächlich auch ein bisschen im Scheinwerferlicht letzten Samstag.

Aber wieso eigentlich? Nun, ich werde mit meiner Familie zurück in die Heimat ziehen und das war mein Abschieds-Heimspiel. Und ja, lieber Leser, du hast richtig geschlussfolgert, das bedeutet auch dass die Zeilen, die du gerade liest, auch mein letzter Spielbericht sind. Also dann, nimm dir etwas Zeit mit, mach dir einen schönen Kaffee dazu, der hier könnte etwas länger gehen. Ich zumindest hatte mich sehr gefreut über die Ansetzung Radeberg-Rietschen zu meinem letzten Heimspiel. Für mich alten Schleife-Jungen ist ein Spiel gegen Rietschen immer etwas Besonderes, ich hätte mir nichts Besseres wünschen können.

Also, los geht’s mit dem Spielbericht. Mit ein paar Minuten Verspätung (es gab noch Siegerehrung unserer sehr erfolgreichen Jugend) startet Rietschen das Spiel mit Anwurf. Wir hatten uns vorgenommen, die Partie direkt konzentriert zu beginnen und das Konzept ging direkt auf. Der sehr torgefährliche Rietschener Rechtsaußen Marcus Noack wird größtenteils aus dem Spiel genommen, was die Gäste zu Würfen aus zweiter Reihe zwingt. Da allerdings einerseits der Radeberger Block hervorragend steht und andererseits diese Würfe oftmals unter Gegnerkontakt erfolgen müssen, kann ich mich auch ein paar Mal auszeichnen und sogar Konterpässe an den Mann bringen. Ja, ich habe mich gerade im Spielbericht selbst gelobt. Macht man eigentlich nicht, ich weiß. Tja, aber lieber Leser, du vergisst, dass das hier mein letzter Spielbericht ist, ich mach heute hier was ich will.

Wie dem auch sei, es steht schnell 3:0 für uns und der Rietschener Trainer sieht sich gezwungen eine Auszeit zu nehmen. Bringt uns aber nicht aus dem Trott, denn schnell steht es 4:0 für uns. In den ersten vier Minuten der Partie wirft Franz Bellmann drei Tore (und in den restlichen 56 Minuten nur noch zwei weitere, aber das sei ihm gegönnt). Hilft es, dass die Hälfte der Rietschener Mannschaft heute aus der A-Jugend kommt? Eine A-Jugend die erst ein paar Stunden vorher ein eigenes Auswärtsspiel hatte und jetzt bei uns nochmal ran muss? Ja klar hilft das, aber ich will das nicht die Leistung meiner Jungs schmälern lassen, denn die war wirklich top.

Ab jetzt kommt Rietschen jedenfalls besser ins Spiel und fängt ebenfalls an, Tore zu machen und ein sehr effektives schnelles Umschaltspiel aufzuziehen. Dadurch wird das Spiel bis zum Stand von 13:8 ausgeglichen gestaltet. Doch in einer taktisch günstig gewählten Auszeit fünf Minuten vor Schluss findet Coach Käppler die richtigen Worte und Radeberg kann mit frischem Wind in den Segeln auf 18:9 davonziehen, ehe die Tröte zum Pausentee trötet.

Jetzt ist es quasi das Radeberger Erfolgsrezept der letzten Spielzeit gewesen, immer nur eine Halbzeit lang physisch auf der Platte stattzufinden und die andere Halbzeit völlig zu verschlafen. Zu nah ist noch die 32:30 Niederlage, die wir in Radeburg kassieren mussten, nachdem wir dort zwischenzeitlich auch mit 19:11 geführt haben. Jetzt also nachlassen und das Spiel auf die leichte Schulter nehmen? Auf gar keinen Fall.

Und an diesem schönen Samstagabend klappt selbst das. Wir kommen aus der Kabine und brechen nicht ein. Nein, wir spielen sogar recht ansehnlichen Handball. Unsere Abwehr ist ein undurchdringlicher Riegel, zwingt die Gäste oft dazu, sich Würfe aus ungünstigen Situationen zu nehmen, weil Zeitspiel angezeigt ist. Unsere Flügelzange über den Außen steuert ganze 12 Tore bei (6 von Spittel und je drei von Holm und René) und auch Jasper kommt vom Kreis wieder mal auf seine Tore. Silvio kommt ins Tor und kann sich gleich ein paar Mal auszeichnen. Die letzte Viertelstunde dieser Partie ist einfach ganz viel genießen.

Fünf Minuten vor Schluss werde ich nochmal eingewechselt, kann sogar nochmal einen von Linksaußen halten, das sollte meine letzte Parade an diesem Abend sein. Mit noch 30 Sekunden auf der Uhr nimmt Dennis nochmal eine Auszeit und wir nutzen sie nur um gemeinsam Tschüss zu sagen. Denn auch Dennis geht, es ist seine letzte Saison als Coach unserer ersten Männermannschaft.

Im letzten Angriff des Spiels gewähren mir Radeberg und Rietschen gemeinsam die Ehre, das letzte Tor der Partie zu werfen. Jungs, ich danke euch sehr, ihr könnt nicht wissen, wie viel mir das bedeutet. Hut ab, ihr Rietschener, das vergess‘ ich euch nicht. Und es ist mir auch nicht entgangen, wie respektvoll ihr bei der Ehrung unserer Jugendspieler vor Anpfiff der Partie wart. Ich will ehrlich sein, ich habe so etwas auch schon in fremden Hallen mitgemacht und ich habe dann so gar keinen Bock, mir die Beine in den Bauch zu stehen und für fremde Menschen eines fremden Vereins zu klatschen. Ihr habt es trotzdem gemacht und das ist nicht selbstverständlich.

Der Spielbericht ist jetzt zu Ende, aber ich bin noch nicht ganz fertig mit schreiben. Wenn dein Kaffee jetzt ausgetrunken ist, lieber Leser, dann kannst du jetzt etwas anderes machen, geh raus die Blumen gießen, jetzt weißt du ja, wie es ausgegangen ist. Oh, mir fällt auf- tatsächlich weißt du es noch nicht, ich habe es noch gar nicht geschrieben, ups. Es war 34:23. Wie dem auch sei, für die langsamen Kaffeetrinker unter euch Lesern schreibe ich aber noch ein paar von meinen Gedanken nieder.

Spaß beiseite, ich will mich wirklich von Herzen bedanken. Bei so vielen Leuten, dass ich kaum weiß, wo ich anfangen soll. Erstmal bei Dennis, aber auch bei Carsten und Matze. Jeder von euch ist auf seine Art ein fantastischer Trainer und ich habe unfassbar viel von jedem von euch gelernt. Ihr habt so viel von eurer wertvollen Freizeit in diesen Verein, in diese Mannschaft und in mich investiert, das ist unfassbar. Danke.

Großes Danke auch an meine Jungs, die mich seit Jahren drei Mal die Woche beim Training und Spiel sehen und die mich noch immer nicht hassen. Wir haben so viel miteinander erlebt, gemeinsam Erfolge gefeiert und gemeinsam harte Zeiten gemeistert. Verdammt, jede einzelne Saisonvorbereitung fällt für mich unter „gemeinsam harte Zeiten meistern“. Gerade bei unseren jüngeren Spielern wie Franz, Tim, Jasper oder Spittel durfte ich hautnah mit dabei sein, wie ihr euch von schmächtigen Jugendspielern zu Leistungsträgern in der Ersten entwickelt habt. Das habt ihr verdammt gut gemacht, ich bin stolz auf euch und glaubt mir, ihr werdet noch viel besser.

Holm, Sting, Subbe. Ihr wart von Anfang an da und habt meine gesamte Zeit in der Ersten begleitet. Großes Kino Jungs, es war mir eine Ehre.

Ich will mich auch unbedingt bei meiner Familie bedanken, die es stumm ertragen hat, dass ich über Jahre je drei Abende die Woche nicht zuhause war und Sonntags immer schlechte Laune hatte, wenn wir Samstags verloren haben. Die beiden Sachsenliga-Saisons waren teils echt hart, was das angeht. Eure Leidenszeit ist noch nicht ganz rum, ich werde ja weiter Handball spielen. Aber ich wollte es trotzdem gesagt haben und es ist ja auch ein Ende in Sicht (sagen mir zumindest meine Knie).

Danke an die vielen lieben Zuschauer, die jedes Heimspiel zu etwas Besonderem machen. Ich habe die schiere Menge an Respekt und Wertschätzung, die mir von euch über die Jahre und letzten Samstag im speziellen entgegengebracht wurde, ja mal so was von unterschätzt. Jetzt mal ehrlich, nichts, was ich mache, rechtfertigt das. Klar komme ich in die Halle und gebe mein Bestes, aber das ist ja wohl mal das selbstverständlichste auf der Welt und das mach ich für mich selbst, ich will ja gewinnen. Ihr seid diejenigen, die sich den schönen Samstagabend an den Nagel hängen und Eintritt bezahlen, um uns beim Spielen zuzusehen- nicht wissend, ob es schön wird oder ob wir (wie es schon öfters passiert ist), eine richtig grausige Leistung zeigen werden. Ich meine nur, der Dankbarkeitsstrom muss eigentlich in die genau andere Richtung fließen.

Ich habe schon viel zu viel geschrieben und einige unerwähnt gelassen, die es verdient hätten. Doch selbst die langsamsten Kaffeetrinker müssten so langsam am Ende angekommen sein, deshalb muss ich hier langsam Schluss machen. Ich will euch bloß nochmal sagen, dass das acht fantastische Jahre mit euch waren. Ich wünsche euch von Herzen das Beste, ich werde euch echt böse vermissen. Kommt nächsten Samstag nochmal nach Radebeul, da gibt es nochmal ein letztes letztes Saisonspiel.

Es spielten:

Rathmann, Wagner (1) (beide Tor), Richter (3), Lindner (1), Spittel (6), Rudolph (3), Mandalka (4), F. Bellmann (5), Zimmermann (1), Reinhardt (2), Würfel, Kempe, Kasper (1), Bundtke (1), T. Bellmann (6)

RSV User