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Montag, 13 September 2021 17:21

HVS Pokal 20/21 SV Niederau – Radeberger SV 20:21 (13:10)

Puh, was für ein Spiel. Erstmal durchatmen. Aber ehrlich mal, was war das denn bitte für ein Spiel? Wie soll man dazu denn bitte einen Spielbericht schreiben? Wo fängt man da überhaupt an? Nun ich nehme an, wir fangen mal am besten ganz am Anfang an.

Dazu müssen wir noch nicht einmal weit in die Vergangenheit schauen. Es reicht in unserem Fall, bis nach Samstag zu blicken. Achtelfinale Sachsenpokal gegen Plauen-Oberlosa II. Dazu gibt es schon einen Spielbericht, sehr schön von unserem Schreiberling Stein geschrieben, sehr empfehlenswert. Durch den
Sieg am Samstag bekamen die Männer vom Radeberger SV auf einmal allesamt Pläne für Sonntag Nachmittag, da ging es dann nämlich zum Viertelfinale nach Meißen gegen Niederau.

Die Gastgeber waren Feuer und Flamme, haben schon vorher reichlich Stimmung in den verschiedensten sozialen Netzwerken gemacht und somit viele Leute in die Halle gelockt. 18:00 Uhr, Anpfiff. Die Halle war so voll wie es Corona gerade noch so zulässt und die Stimmung ausgezeichnet, man verstand sein eigenes Wort nicht. Direkt zeigte Niederau, dass sie siegen wollten und warfen die ersten beiden Tore des Spiels. Es sollte sich herausstellen, dass sie die Führung lange nicht mehr hergeben würden. Unsere Männer in Blau-Weiß versuchten gegenzuhalten, scheiterten jedoch zu oft an sich selbst und den guten gegnerischen Hütern. Und dann war auch noch das Spielglück auf der Seite der Gastgeber- praktisch jeder einzelne Abpraller landete bei ihnen, egal ob der Ball aus dem Radeberger oder dem Niederauer Tor zurück kam. Das sorgte für einfache Tore für die Gastgeber und abgebrochene Angriffsbemühungen für unsere Bierstadthelden, die nicht so wirklich das Feuer auf die Platte bringen konnten, wie sie es noch am vorherigen Samstag geschafft hatten. Folgerichtig ging es mit einem 13:10 Rückstand in die Kabine.

Eine deutliche Leistungssteigerung war notwendig, um hier noch etwas mitnehmen zu können und Coach John fand die passenden Worte. Was dann jedoch in der zweiten Halbzeit passierte, war einfach dermaßen seltsam, dass es schwer ist, es in einen Spielbericht zu verpacken. Fangen wir mal damit an, dass gleich zwei Niederauer Leistungsträger sich dazu entschieden, das Feld vorzeitig zu verlassen. Kurz zusammengefasst: Es gab einmal Zeitstrafe Nummer 2 und 3 für Meckern und andererseits eine glatt rote Karte, weil auf unsanfte Art und Weise ein Tempogegenstoß des Radebergers Philipp Richter unterbunden wurde. Radeberg spielte insgesamt eine beträchtliche Menge in Überzahl und so konnte die Abwehr glänzen. So viel sei gesagt, in der zweiten Halbzeit gelangen den Hausherren noch ganze 7 Torerfolge, was den Bierstadthelden eine sehr gute Abwehr- und Torwartleistung bescheinigt. Doch wer denkt, dass das einen Radeberger Sieg garantieren würde, der irrt. Denn Radeberg weigerte sich einfach partout, ins Gegnerische Tor zu treffen. Daran hatten natürlich auch die beiden herausragenden Hüter ihren Anteil, doch kam es auch reichlich vor, dass Konter schlicht vorbeigeworfen wurden. Einer der gegnerischen Hüter war so freundlich mitzuzählen und meinte nach der Partie, dass Radeberg allein in der zweiten Hälfte 8(!) mal an den Pfosten traf. Und (das Spielglück war ja noch immer bei den Gastgebern) bekam daraus keinen einzigen Abpraller.

Ich erinnere mich daran, wie minutenlang absolut fassungslose Blicke ausgetauscht wurden. So funktioniert Handball nicht, so etwas passiert in diesem Sport einfach nicht. In dieser Phase des Spiels konnte man Coach John beim Altern zusehen, er verlor in diesen 30 Minuten schätzungsweise 10 Jahre seines Lebens.

Es brauchte einen Mann, der die Ruhe bewahren konnte und einfach trotz der ganzen widrigen Umstände die Tore machen konnte, und Radeberg hatte diesen Mann in seinen Reihen. Jan Schulz, der unangefochtene Man Of The Match. Konnte sich insgesamt 10 Mal in die Torschützenliste eintragen und rettete den Tag. Er war es auch, der in der 52. Minute das erste Mal in der Partie eine Radeberger ​Führung herstellte (17:18). Dann aber. Noch 45 Sekunden auf der Uhr und Niederau bekommt beim Stand von 20:21 einen Siebenmeter zugesprochen. Der Schütze verzögert, täuscht an und Torhüter Rathmann hält seinen zweiten Siebenmeter des Tages. Der Sieg ist sicher! Jetzt nur noch die restliche Zeit rumbringen. Niederau greift zum letzten Mittel, der Manndeckung, aber das ist ja keine ungewohnte Situation. Lange spielen, sichere Pässe spielen, selbst ein Pass zum Torhüter ist möglich und meinetwegen (wenn der Arm des Schiris schon oben sein sollte) irgendwann noch den Ball hoch und weit in die Prärie jagen. Das nimmt alles Sekunden von der Uhr. Alles ist Recht, bloß keinen weiteren gegnerischen Angriff zulassen.

Aber natürlich kommt es, wie es kommen muss und Radeberg macht einen Fehlpass ins Seitenaus. Niederau hat nochmal die Pille und schafft es, über Linksaußen nochmal frei zum Wurf zu kommen. Doch auch diesen Wurf nimmt Keeper Rathmann spektakulär weg und sichert Radeberg den Sieg! Da interessiert es niemanden mehr, dass der Schütze sowieso im Kreis stand. Radeberg gewinnt 21:20 und darf nächste Woche Samstag nach Zwickau fahren! Verdammt, es ist das erste Mal in der Geschichte des RSV, dass er ins Halbfinale des Sachsenpokals einziehen darf!

Zeit für etwas Fazit. 21 Tore zu werfen ist nicht gut. Die Chancenverwertung war absolut unterirdisch. Selbst wenn Radeberg 10 Tore mehr geworfen hätte, wäre es noch immer keine gute Chancenverwertung gewesen. Und hätte Goalgetter Schulz nicht in unseren Reihen gestanden, wer weiß, ob Radeberg überhaupt 15 Tore geworfen hätte. Doch je mehr ich überlege, desto mehr komme ich zum Schluss, dass die Chancenverwertung zwar wirklich katastrophal war, aber alles andere eigentlich im Großen und Ganzen stimmte. Die Verteidigung und Torhüterleistung waren stark, 20 Gegentore sprechen eine deutliche Sprache. Radeberg konnte schnell spielen und viele Tempogegenstöße fahren, was genau das Ziel war. Konditionelle Vorteile wurden ausgespielt, vom Feld und von der Bank kam mit zunehmendem Spielverlauf immer mehr Stimmung, nur verpasste man, sich zu belohnen. So ist das halt manchmal, schätze ich.

Fazit von MVP Jan Schulz: Auch wenn es sich seltsam anfühlt, auch diesen Sieg haben wir uns erkämpft und auch verdient. Eine alte, klapprige Mähre springt nur so hoch, wie sie muss. Aber bei Gott, heute durfte das Hindernis echt kein haarbreit höher liegen. Wenn das nicht mal treffende Worte sind.


Es spielten:
Rathmann, Wagner (beide Tor), Richter (1), Sieberth, Schulz (10/4), Röseler (5/2), Schöne-Männchen,
Masula, Guhrenz (2), Fährmann, Herrmann (2), Dorschner (1)

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